Diskussion auf sword-devel zu „Free Scriptures“

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Re: Diskussion auf sword-devel zu „Free Scriptures“

Beitrag von skreutzer » 2014-03-02T21:18:43+00:00

Der Grund ist schlicht und einfach, dass bisher niemand danach gefragt hat und dass ich darüber hinaus von niemandem und keiner Personengruppe wüsste, der bzw. welche die Menge-Bibel aktiv verwendet. Wie bei allen anderen digitalen Texten auch, die auf gemeinfreie Fassungen zurückgehen sollen, müsste ebenso die Übereinstimmung zum Original festgestellt werden. Es spricht aber an sich natürlich nichts dagegen. Ganz grundsätzlich bearbeiten wir alle gemeinfreien und frei lizenzierten Bibeltexte.


Edit: neben dem Google-Drive unbekannten Betreibers und dem Drop-Box-Speicherplatz unbekannten Betreibers gibt es nun also auch noch den box.com-Speicherplatz von Tom Baccei mit einer Kopie der Texte, alle weiterhin unverändert rechtlich und qualitativ bedenklich, wie es auf SourceForge auch war, aber ohne jede Kontakt- oder Korrekturmöglichkeit.

Re: Diskussion auf sword-devel zu „Free Scriptures“

Beitrag von woschultz » 2014-03-02T19:36:49+00:00

Nur kurz ein Tipp: eine garantiert freie deutsche Bibelübersetzung ist doch die Menge Bibel. Noch recht aktuell warum nimmst du die nicht für deine Druckerei?

http://www.die-bibel.de/online-bibeln/m ... bibeltext/

Das Zefania Modul ist schon seit 2010 verfügbar, da wurde der Text nämlich gemeinfrei.

https://app.box.com/s/z36uxyhfiuwbnv5skb6t/1/1691683586

[...] Auf jeden Fall können wir Ihnen in der Tat nicht verbieten, die Menge-Bibel von unseren Internet-Seiten (http://www.die-bibel.de oder http://www.bibelwissenschaft.de) zu kopieren und in anderer Weise im Internet zu verwenden. [...]


http://www.crosswire.org/forums/mvnforu ... _offset,20

Hier ist dein freier Text!

Gruß
Wolfgang

Re: Diskussion auf sword-devel zu „Free Scriptures“

Beitrag von skreutzer » 2014-03-02T11:42:08+00:00

Hallo Wolfgang,

10-Finger-System hilft leider nicht so viel, wenn man einzeln Silben vergleichen muss...ungefähr brauche ich so im Durchschnitt eine Stunde für ein halbes Kapitel. Wenn der Text nicht schon digital vorliegt, dann das doppelte, einmal für's abtippen und dann später nochmal für die Korrekturlesung. Allerdings bin ich auch sehr froh, dass ich immerhin nicht übersetzen muss (weil ich's auch gar nicht kann).


Ich bin recht erfreut, dass du das Thema Christenverfolgung ansprichst. Ich hatte das ursprünglich erstmal ausgespart, um nicht noch mehr Zeilen zu produzieren, wenn das für unsere Überlegungen eigentlich irrelevant wäre. Hier ist meine Einschätzung dazu: wie du richtig feststellst, gibt es unterschiedliche Länder mit einem unterschiedlichen Grad der Christenverfolgung. Es gibt da solche, wo allein schon der Besitz einer Bibel mit der Todesstrafe geahndet wird. In solchen Fällen spielt das Urheberrecht tatsächlich keine Rolle, gleichzeitig lässt sich aber auch über das Internet recht wenig ausrichten, da sicherlich der Zugang zum Internet in solchen Ländern nur sehr eingeschränkt möglich ist, und selbst wenn er möglich ist, dürften die öffentlichen Zugangsmöglichkeiten überwacht sein, sodass es für jedermann dort persönlich höchst gefährlich sein dürfte, bestimmte Materialien herunterzuladen. Selbst wenn dies gelingt, besteht ja dann auch keine Verbreitungsmöglichkeit über die öffentliche Kommunikationsinfrastruktur. Sehr viel wichtiger wird daher in diesen Fällen sein, entsprechende Werkzeuge bereitzustellen, welche die Untergrundbibelverbreitung überhaupt erst ermöglichen oder vereinfachen, sodass quasi überall kleine Druckereien entstehen können, sofern Standard-Druckhardware vor Ort vorhanden ist und entsprechende Software per Datenträger etwa dorthin gelangt. Ich schätze aber mal, dass die Leute ohnehin jetzt schon in der Lage sind, diese Probleme zu lösen, und wir wohl dazu kaum einen Beitrag werden leisten können, denn für dezentrale Untergrundverbreitung muss man sich eben viel vor Ort betätigen.


Dann gibt es solche Länder, in welchen Christenverfolgung latent vorhanden ist, aber immerhin ein gewisser Handlungsspielraum besteht. Für diese Länder können wir am meisten tun, und in diesen Ländern spielt das Urheberrecht die größte Rolle. Mir ist ein Fall bekannt, wo eine angebliche oder tatsächliche Urheberrechtsverletzung als Vorwand dazu verwendet hätte werden sollen, um eine unliebsame Menschenrechtsaktivistin namens Anastasia Denisova loszuwerden, der in Russland bis zu 6 Jahre Freiheitsentzug gedroht hätten. Das Verfahren wurde mittlerweile wegen Mangels an Beweisen eingestellt. Der Punkt ist aber, dass hier womöglich nicht die Firmen Microsoft und Corel die Initiatoren waren, sondern die Staatsanwaltschaft. Ferner gab es dann den Versuch, eine Petition an diese Firmen zu starten, dass sie doch auf ihren Rechtsanspruch verzichten sollen, aber du kannst dir sicher ausrechnen, welches Interesse diese Firmen daran haben, es sich erstens mit den Behörden dieser Zielmärkte zu verscherzen und zweitens bei einem Verzicht einen Präzedenzfall zu schaffen, auf den sich andere Urheberrechtsverletzer beziehen könnten. Mit der Bibelverbreitung und Christenverfolgung hat das jetzt natürlich unmittelbar erstmal nichts zu tun, wohl aber allgemein mit Minderheitenverfolgung und auch mit unserem strikten Beharren auf freier Software als Grundlage für unsere Tools. Weiterhin gibt es einen wertvollen Vortrag „Using Bible Technologies in a Censured Context: The Case of Bibliata.TV in Postcommunist Bulgaria as an Example of Underground Webministry (UW)“ von Dony K. Donev, der darüber berichtet, wie in Bulgarien Untergrundarbeit geleistet wird, unter anderem haben die dort eine eigene Übersetzung angefertigt. Er sagt zwar auch, dass in Bulgarien überhaupt kein Bewusstsein für Urheberrecht vorhanden ist, aber dies wird wohl für die breite Bevölkerung zutreffen und nicht unbedingt für Behörden, die einen Server oder Dienst einstellen wollen. Werkzeuge werden hier ebenfalls die größte Rolle spielen, um den bestehenden Handlungsspielraum optimal ausnutzen zu können. In jedem Fall sollten wir uns aber mindestens davor hüten, diese Leute unnötig einem zusätzlichen Risiko auszusetzen, und das besonders, wenn sie größtenteils gar nicht um die drohende Gefährdung wissen.


Und dann gibt es Länder wie das unsrige, wo immerhin ein großer Aufwand getrieben wird, um wenigstens die Illusion einer funktionsfähigen Demokratie aufrecht zu erhalten. Wir haben in der Tat eigentlich nur Luxusprobleme. Nichtsdestotrotz bestehen diese und müssen ebenfalls adressiert werden. Augenscheinlich herrscht ein großer Überfluss an Bibeltexten, Bibelsoftware und Verarbeitungswerkzeugen, an Webseiten, Bibelmaterialien etc. Alle diese Hilfsmittel führen aber nicht arg merklich zur eingehenderen Beschäftigung mit der Bibel, ganz im Gegenteil – oftmals ist eine erschreckende Unkenntnis der biblischen Aussagen feststellbar. Um dem entgegenzuwirken, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, und eine davon ist die Bereitstellung von Werkzeugen für Aufgaben, die bisher größtenteils ignoriert wurden und stattdessen vielmehr der Überfluss nur noch mehr vergrößert wurde. So ist die Herstellung von Studienbibeln, Schreibrandbibeln, durchschossenen Bibeln und Parallelbibeln sicher für den ernsthafteren Bibelstudierenden nicht von Nachteil, ebenso wären Analyse- und Vergleichstools sowie kollaborative Bibelsoftware wünschenswert. Für derartige Nutzungen ist ein frei lizenzierter oder gemeinfreier Bibeltext Voraussetzung. Und wenn man dann nachschaut, sieht es in deutscher Sprache momentan so aus, dass wenig über den rechtlichen Status digitaler Bibeltexte bekannt ist, denn bei den vermutlich gemeinfreien Texten müsste erstmal die qualitative Übereinstimmung festgestellt werden. Bei den modernen Übersetzungen gibt es keine einzige, die frei lizenziert ist. Und gerade weil bei uns keine Verfolgung herrscht, sind wir umso mehr von der Berücksichtigung des Urheberrechts abhängig, da rechtlich nämlich durchaus die Alternative der gemeinfreien und frei lizenzierten Texte besteht, sodass es eigentlich keinen vertretbaren Grund gibt, gegen das Urheberrecht zu verstoßen. Hinzu kommt aber auch, dass für uns eine erfolgreiche Klage bedeutet, dass unsere eigene Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder gar ganz genommen wird, was wir unter den gegebenen Umständen nicht fahrlässig riskieren brauchen. Glücklicherweise gibt es aber das Projekt „Offene Bibel“, wo unter freier Lizenz (Creative Commons BY-SA) eine neue Übersetzung im Wiki-Prinzip angefertigt wird, und ganz unahängig davon, wie brauchbar die inhaltlich ist, erlaubt die freie Lizenzierung jedermann jederzeit, Änderungen daran vorzunehmen, wie auch die Kollaboration auf dem Wiki womöglich schon von vornherein zu einer vergleichsweise objektiven Übersetzung führen wird. Wir können es uns jedenfalls nicht leisten, einfach auf unfreies Material zurückzugreifen, nur allein deshalb, weil es scheinbar im Überfluss vorhanden ist, gleichzeitig aber zu einem ungleich höheren Preis daherkommt, als auf dem Preisschild angegeben.


Und dies führt dann auch zu der Überlegung, welche Rolle freie Bibelsoftware in einem Szenario spielt, in dem die christliche Minderheit in Deutschland offen verfolgt wird. Wenn all die christlichen Verlage geschlossen wurden, das Internet weiterhin wie jetzt auch schon vollständig überwacht wird, die christlichen Webseiten vom Netz gegangen sind. Da wäre es doch gut, wenn man einen USB-Stick oder eine CD-ROM herumliegen hat, auf der sich ein paar Tools und PDFs befinden, die man auf handelsübliches DIN-A4-Papier drucken kann, um das dann auf unauffällig verteilbares DIN A6 schneiden und mit einem Langarmhefter zusammentackern zu können. Die gegenwärtigen Verlage haben an einer solchen Einrichtung freilich kein Interesse, da sie sich als einzigste Quelle der Bibeltexte und erst recht von gedruckten Bibeltexten halten wollen. Mein Video zur Untergrundverbreitung der Bibel ist mehr ein Demonstrationsvideo, welche Optionen man noch hat, wenn man sonst keine mehr hat. In der momentanen Luxussituation denke ich nicht, dass das besonders viel Sinn macht, aber vielleicht eben zu anderen Zeiten.


Warum so viel Zeit für die alten Texte widmen? Nun ja, gibt es denn eine Alternative? Ich kann nur Deutsch, ein klein wenig Englisch und glücklicherweise auch einige derjenigen Sprachen, die weltweit überall gesprochen werden, nämlich Programmiersprachen. Ansonsten könnte man eine Fremdsprache lernen, was dem einen leichter fällt und dem anderen schwerer. Andere Aufgaben gibt es aber genug, so kann ich dir z.B. dringend „The Christian Commons“ von Tim Jore empfehlen (gerne schicke ich dir auch ein gedrucktes Exemplar). Ich stimme ihm zwar nicht in jedem Punkt zu, aber er identifiziert richtigerweise eine haarsträubende Knappheit von biblischem Studienmaterial in all denjenigen Sprachen, die keine besonders große Sprecherzahl haben. Dort ist es meistens so, dass sie nicht wenig Studienmaterial haben, sondern gar keines, und oftmals nicht einmal die Bibel in ihrer eigenen Sprache, weil sich die meisten Missionsgesellschaften nur auf die größeren, vermeintlich „lohnenswerteren“ Sprachen beziehen und dort dann ebenso einfach nur den Überfluss noch weiter vergrößern. Dabei ist das Urheberrecht mit ein wesentlicher Hinderungsgrund, weshalb sich diese Sprachgruppen nicht selbst helfen können und diejenigen, die ihnen helfen wollen, aktiv daran gehindert werden, wenn manche Übersetzer z.B. die Rechte an ihrer Übersetzung in eine Zielsprache einem bestimmten Verlag oder einer bestimmten Missionsgesellschaft übertragen haben oder selbige selbst einbehalten, anstatt frei zu lizenzieren, und dann für jede Aktualisierung des an sich häufiger wechselnden Sprachgebrauchs im Prinzip immer wieder komplett von vorne begonnen werden muss.


Viel habe ich bisher nicht versandt, eine Statistik führe ich hier (sie ist zwar nicht ganz aktuell, wird aber irgendwann mal auf den neuesten Stand gebracht). Ich schätze auch mal, dass für eine potentielle Zielgruppe außer bei Spezialausgaben in erster Linie wohl ein komplettes Neues Testament oder eine komplette Bibel in Frage kommt, und einzelne Bibelbücher eher weniger interessant sind. Dass sich das „lohnt“ auf eine Art und Weise, wie du dir das vielleicht vorstellst, mag ich mal bezweifeln, ich für meinen Teil gehe da aber nach meinem eigenen, persönlichen Bedarf und danach, was von außen an mich herangetragen wird. Wenn ich mich intensiver mit einem Bibelbuch beschäftige oder es in einem Hauskreis behandelt wird, macht es für mich schon Sinn, es dann auch in entsprechender Form aufzubereiten und direkt nutzen zu können.


Das Zefania-XML-Projekt (zur Bereitstellung der Bible Markup Language) muss sich auch gar nicht mit der Bereitstellung der Bibeltexte befassen, es ist ja völlig in Ordnung, die Projektziele auf die Erarbeitung und Publikation des Zefania-Schemas zu beschränken. Aus diesem Grund habe ich auch versucht, möglichst vom „Zefania-Modul-Repository“ zu sprechen, da mir bis heute nicht klar ist, ob das eigentlich als separates, unabhängiges Projekt zu betrachten gewesen ist, oder ob es sich um eine Unternehmung des Zefania-XML-Projekts handelte, wofür es ja auch den einen oder anderen Hinweis gab. Deswegen war ja auch mein Vorschlag, für das Zefania-XML-Projekt mal eine Projektwebseite einzurichten, wo z.B. auch ein Statement zum Umfang und zu den Prinzipien des Projekts veröffentlicht werden könnten. Bei „Freie Bibel“ verfolgen wir übrigens einen recht ähnlichen Ansatz, dass nämlich das Projekt an sich überhaupt gar keine Bibeltexte herausgibt, außer die Rohtexte im XML-Format. Alle Aufbereitungen habe ich bisher sozusagen als Privatmensch und unabhängiger Herausgeber unter freie-bibel.de/inofficial/skreutzer unternommen, was der Neutralität des Projekts dienen soll. Dort können freilich auch andere Leute eigene Aufbereitungen einreichen, für die sie dann jeweils auch selbst verantwortlich sind. „Freie Bibel“ versucht lediglich, dafür zu sorgen, dass die Texte in mindestens einer „offiziellen“ Aufbereitung für die unterschiedlichen Zielformate vorliegen und zugänglich gemacht werden, indem diese Aufgabe an einen der Aufbereiter delegiert wird, der dann aber weiterhin eigenverantwortlich die Veröffentlichung betreibt. Soweit „Freie Bibel“ für deutsche Übersetzungen.


Eine absolute Garantie für die Freiheit der Texte gibt es freilich nicht, aber sie kann näherungsweise dergestalt festgestellt werden, dass eigentlich mit ziemlicher Sicherheit davon auszugehen ist und man ein verschwindend geringes Risiko bei der Arbeit mit selbigen Texten eingeht. Die Aufgabe besteht lediglich darin, Originale zu finden, zu vergleichen, die Bibliographie nachzuverfolgen und evtl. Urheber und Rechtsnachfolger anzufragen, sowie dies alles öffentlich zu dokumentieren, womit die Freiheit oder Unfreiheit eines Textes verlässlich ermittelt werden kann. Wenn sich dabei jemand im Irrtum befindet oder bewusst lügt oder falsche Angaben macht, stellt das dann zwar ein erhöhtes Risiko dann dar, aber es hilft immerhin, den Irrtum oder die falsche Angabe aufzudecken, was möglichst durch Gegenprüfungen mit anderen Angaben von vornherein verhindert werden kann.


Es geht ja überhaupt nicht darum, dass unfreie Texte im Zefania-XML-Format vorliegen, denn ob sie in Zefania XML, Haggai XML, OSIS oder USFX vorliegen, spielt urheberrechtlich keine Rolle. Relevant ist letztendlich allein, wer welche Nutzung ohne Erlaubnis vom Rechteeigentümer vornimmt. Rein mechanische Formatkonvertierungen verletzen weder bestehende Rechtsansprüche noch werden sie vom Urheberrecht überhaupt berücksichtigt. Wenn dann aber die Distribution oder anderweitige Nutzung des Textes ohne Erlaubnis, sei es konvertiert oder unkonvertiert, stattfindet, dann kommt es zur Verletzung der rechtlich garantierten ausschließlichen Verfügungsgewalt des Urhebers, dem der Gesetzgeber die wahnsinnig lange Schutzfrist von 70 Jahren nach dessen Tod eingeräumt hat. Falls dir die Hintergründe dazu unbekannt oder unklar sind, würde ich auch gerne ein paar Hinweise dazu geben, wie das Urheberrecht gedacht ist und wie es funktioniert.



Grüße,
Stephan

Re: Diskussion auf sword-devel zu „Free Scriptures“

Beitrag von woschultz » 2014-03-01T20:43:57+00:00

Hello again,

Ich sehe gerade dein Hauptproblem ist, dass die Möglichkeit die Texte "digital weiterzuverwenden" eingeschränkt sei, wenn wir nicht die Freiheit der Texte garantieren können. Diese Garantie sehe ich aber nicht als die Aufgabe des Zefania XML Projektes(=Bereitstellen der Bible Markup Language). Wer die damit erstellten Texte in irgendeiner Form "verwerten" will, wird sich jetzt und in Zukunft selbst um diese Absicherung kümmern müssen. Das Zefania XML Projekt hat weder die finanziellen noch die personellen Resourcen hier eine wasserfeste Garantie abzugeben. Jeder kann Zefania XML erstellen und sie im Internet verbreiten, wenn wir das verhindern wollten, müsten wir ja selbst zu den von dir kritisierten Mitteln der Unfreiheit greifen und das werden wir schon aus Prinzip nicht tun.

wolfgang

Re: Diskussion auf sword-devel zu „Free Scriptures“

Beitrag von woschultz » 2014-03-01T19:50:10+00:00

Hallo Stephan kriegst du Zeilenhonorar :-) Eigentlich müssten wir mit deiner Textproduktivität mit unserer Elberfelder 1871 längst fertig sein das sind doch mindestens 1000 Verse :-).

Kürzlich habe ich mal ein Video von dir gesehen indem du untergrundmäßig eine Bibel verteilt hast. Gut das war jetzt nicht direkt gefährlich bei der deutschen Bahn aber es zeigt doch das man bei der Verbreitung der Bibel in welcher Form auch immer auch mal Riskiken auf sich nehmen muss. Stelle dir vor Jesus und seine Apostel hätten sich erstmal bei den damaligen Rechteinhaber abgesichert bevor sie loslegten. Dann gäbe es heute gar keine Bibel.... Deine allumfassende Absicherung in alle Richtungen mag ja im abmahnwütigen Deutschland seine Berechtigung haben (wobei da kein Anwalt tätig werden wird, weil es sich nicht lohnt). Das Projekt Zefania XML ist im Grundsatz aber global angelegt und kann sich nicht, um jedes juristische Detail in allen Herren Länder der Welt kümmern. Wenn Tom oder sonstwer diese Risiken eingehen will, dann ist das deren Sache. Jetzt sagst du wir müssten auch den Nutzer absichern, wenn er unsere Texte nutzt. Hallo das ist wieder die falsche Perspektive aus der Sicht des ungefährlichen Europas. Das können wir global gar nicht leisten wir müssten sofort damit aufhören die Text im Internet anzubieten. Stelle dir vor eine Zefania XML/Haggai Datei wird in Nordkorea auf einem Computer gefunden, dann ist der User tot mit samt seiner Familie und nicht nur in Nordkorea http://www.christenverfolgung.org/

Deswegen bin ich froh, dass Tom jetzt neue Überlegungen anstellt, die Bibel mehr im Untergrund zu verbreiten und dafür andere Mechanismen bereitstellt. Da gibt es sicher auch einige Kritikpunkte aber das die "Lesbarkeit (=Verfügbarkeit)" durch diese "Unfreiheit" der Texte gesteigert wird ist ein nicht vorhandenes Luxusproblem. Wer in Europa eine aktuelle gedruckte Bibel lesen wil,l kann das auch ohne Probleme ohne Geld tun. Dafür gibt es viele Organisationen, die da hilfreich sind. http://www.gideons.org/?HP=Germany&sc_lang=de-DE. Und wer Internetzugang hat, kann sowieso jede beliebige neue Bibel im Internet lesen. Eigentlich muss ich mich fragen wozu wir den alten Texten soviel Zeit widmen? Wieviele Bücher hast du jetzt denn schon drucken können? Wer ist deine Zielgruppe und wie groß ist die? Lohnt sich das?

Gruß
Wolfgang

Re: Diskussion auf sword-devel zu „Free Scriptures“

Beitrag von skreutzer » 2014-03-01T16:08:57+00:00

Oder um nochmal das Thema der rechtlich fragwürdigen Bibeltexte aus der Perspektive der Projektziele von „Freie Bibel“ und „Free Scriptures“ zu betrachten: zunächst können wir keine urheberrechtlich geschützten Bibeltexte, die restriktiv lizenziert sind, selbst verbreiten, da auch nur eine einzelne erfolgreiche Klage den verantwortlichen Hoster eines Language-Teams nachhaltig schädigen kann, bis hin zu Schadensersatzansprüchen oder in manchen Ländern auch mehrjährige Gefängnisstrafen. Ferner ist bei einer tatsächlichen Urheberrechtsverletzung ein Image-Verlust zu befürchten, welcher sich auch negativ auf die anderen, frei lizenzierten und gemeinfreien Texte auswirken könnte. Aber auch, wenn wir selbst nicht betroffen wären, so würden wir alle unsere Nutzer diesem Risiko aussetzen. Nun, für reine Endnutzer und reine Leser eines Bibeltextes über ein Bibelprogramm etwa spielt das keine große Rolle, da in etlichen Rechtsräumen ein Recht auf Privatkopie besteht, oder z.B. auch im US-Recht das sog. „Fair Use“. Jetzt ist es aber so, dass wir auch Print-Veröffentlichungen fördern oder Webseiten bedienen, wo erstens der Herausgeber eines Textes im Gegensatz zu Nutzern eines Computerprogramms mit Leichtigkeit ermittelt werden und zweitens ein rechtliches Vorgehen gegen einen solchen ihn ohne Weiteres an der Fortsetzung der Textdistribution hindern kann, von den persönlichen Konsequenzen mal abgesehen.


Aber auch, wenn eine rechtmäßige Verbreitung eines Bibeltextes durch ausdrückliche Genehmigung eines Urhebers oder Rechteverwerters an sich für uns möglich wäre, so lehnen wir diese Genehmigung ab, wenn sie nicht auf unsere Nutzer übertragbar ist, sprich: wenn der Bibeltext nicht frei lizenziert ist. Da unser Projekt keine juristische Person öffentlichen Rechts ist, sondern aus eigenverantwortlich handelnden natürlichen Personen besteht, die lediglich miteinander kooperieren, bestünde zunächst einmal von vornherein kein einheitlicher Lizenznehmer, welchem diese Genehmigung zufriedenstellend erteilt werden könnte, da zu jedem Zeitpunkt Personen den eigenverantwortlichen Umgang mit den Texten innerhalb und außerhalb des Projekts beginnen können und auch können dürfen sollen. Überdies müssen wir gegenüber gänzlich externen Personen sicherstellen, dass diesen ebenfalls alle erforderlichen digitalen Freiheiten zukommen, um diese nicht vom größtmöglichen Nutzen durch künstliche rechtliche Beschränkungen auszuschließen, was verheerende Folgen haben kann im Hinblick auf allerlei unterlassene und verhinderte Projekte.


Wenn wir also einen restriktiv lizenzierten Bibeltext per exklusiver Genehmigung verbreiten würden, müssten wir zu unseren Nutzern, welche den von uns bereitgestellten Bibeltext über das Recht auf Privatkopie hinaus verwenden wollen, gezwungenermaßen mitteilen, dass wir rechtlich gar nicht in der Lage sind, ihnen diese Genehmigung zu erteilen, sondern beim Urheber oder Rechteverwerter wiederum für eine individuelle, nicht-übertragbare Genehmigung angefragt werden muss. Ob ein Nutzer diese Genehmigung dann aber vom Urheber oder Rechteverwerter tatsächlich erhält, hängt von dessen Gutdünken oder von zu erfüllenden Bedingungen ab, oder aber der Urheber kann evtl. nicht mehr erreicht werden, oder antwortet nicht, oder lehnt die Anfrage einfach ab. All dies ist höchst inakzeptabel und ethisch verwerflich, denn technisch könnte die angedachte Nutzung problemlos umgesetzt werden.


Aber steht diese Projekt-Politik denn nicht im Widerspruch zu dem Anliegen, Bibeltexte möglichst zugänglich zu machen? Sollte denn das Urheberrecht nicht einfach ignoriert werden, da die Verbreitung der Bibel ein viel wichtigeres Ziel ist? Kann denn nicht auch der Bereitstellung eines Bibeltextes per ausdrücklicher, ausschließlicher, nicht-übertragbarer Genehmigung zugestimmt werden – Hauptsache, die Bibel wird gelesen? Mitnichten, denn illegal oder per Genehmigung distributierte Bibeltexte stellen ein großes Risiko für ihre Verbreiter dar, welche auf diese Weise einen willkommenen Anlass für die strafrechtliche Verfolgung bieten, um diese an der Fortsetzung ihrer Tätigkeit zu hindern. Dies muss nicht unbedingt durch den eigentlichen Urheber oder Rechteverwerter als Kläger geschehen, sondern evtl. durch die Staatsanwaltschaft. Ein illegal distributierter Bibeltext führt ganz genauso wie ein per Genehmigung bereitgestellter Bibeltext zu einer Kette von Urheberrechtsverletzungen, welche sich mit jeder Kopie und Re-Distribution einfach immer weiter fortsetzt. Im Gegensatz zu einem von vornherein illegal distributierten (d.h. vom eigentlichen Urheber oder Rechteverwerter kopierten) Text stellt ein per exklusiver Genehmigung bereitgestellter Text lediglich einen späteren Einstiegspunkt für die illegale Verbreitungskette dar, denn die per Genehmigung bereitstellende Partei kann von sich aus gar keine Weiterverbreitungsrechte einräumen, sodass sie zur illegalen Verbreitung geradezu einlädt.


Insofern würde für die künstlich rechtlich illegalisierte Bibelverbreitung völlig unnötigerweise ein sehr hoher Preis bezahlt werden müssen, nur um die veralteten, hinfälligen und unethischen Geschäftsmodelle rückwärtsgewandter Rechteverwerter weiterhin fortbestehen zu lassen. Wir wollen uns nicht auf Kosten und auf dem Rücken unbescholtener Nutzer und deren digitaler Grundrechte für den zweifelhaften Vorteil eines größeren Bibeltext-Angebots an derartigen Praktiken beteiligen, nur weil wir selbst rechtlich nicht dafür belangt werden können, jedermann sonst aber den rechtlichen Konsequenzen mutwillig ausgesetzt wird. Die Vorstellung, dass durch eine solche Haltung insgesamt weniger Bibeltexte zu lesen sein würden, ist grundfalsch und beruht auf dem Missverständnis, dass die restriktiv lizenzierten Bibeltexte besonders lesbar wären – das sind sie nämlich nicht, sondern nur für einen eingeschränkten Personenkreis. Eine viel größere Verbreitung könnte durch eine freie Lizenzierung erreicht werden, indem jedermann den Bibeltext überall verbreiten dürfte, und er nicht nur an einigen wenigen ausgewählten Stellen zu besonderen Konditionen. Insofern steht die restriktive Lizenzierung auch in direktem Widerspruch zu dem angeblichen Anliegen der Rechteverwerter, die Bibel verbreiten zu wollen.


Daher ist es unser Ziel, frei lizenzierte Alternativen zu fördern und zu verbreiten (gemeinfreie Texte eingeschlossen), und die restriktiv lizenzierten Bibeltexte komplett zu ignorieren, von ihrem Gebrauch im digitalen Kontext dringend abzuraten und ein Bewusstsein dafür zu wecken, dass die Ablehnung einer freien Lizenzierung immer auch bedeutet, dass jemandem aktiv der Zugang zum Bibeltext verwehrt werden soll und auch effektiv wird, denn sonst bräuchte es ja offensichtlich auch keine einschränkenden Lizenzbedingungen. Bei modernen Bibelübersetzungen ist es dabei auch oft so, dass die Übersetzer sich wenig mit dem Urheberrecht auskennen und meinen, dass sie eine Verbreitung ihres Textes nur dadurch bewerkstelligen können, wenn sie selbigen über einen Verlag veröffentlichen, der dann allerdings traditionell die exklusive Übertragung der Nutzungsrechte fordert, sodass am Ende weder der Übersetzer selbst noch andere Verlage noch freie Projekte noch diverse christliche Organisationen noch allerlei Privatpersonen mehr in der Lage sind, den Text für ihren eigenen jeweiligen Kontext legal zu nutzen, außer eben in vollständiger Abhängigkeit von den produktstrategischen Entscheidungen des gewählten Verlags.


Mit aus diesen Gründen wirken wir darauf hin, insbesondere Übersetzern eine ethische Alternative für die Veröffentlichung und Verbreitung ihrer Texte zu bieten, welche über eine freie Lizenzierung auch die digitalen Grundrechte aller Nutzer berücksichtigt. Ein wichtiger Teil davon ist die Aufbereitung von rohem Text zu Druckvorlagen. Über das Print-on-Demand-Verfahren ist heutzutage überdies auch die eigenständige Publikation von gedruckten Exemplaren, evtl. gar als gebundenes Hardcover ohne die Notwendigkeit einer Vorfinanzierung möglich. Sowohl E-Books, die wir ebenfalls bereits jetzt schon aufbereiten, als auch gedruckte Exemplare können direkt über Online-Shops an Endkunden vertrieben werden, sodass auch die gesamte Abwicklung der Logistik entfällt. Ein Verlag kann im Gegensatz zu unseren Methoden eigentlich nur noch ein Lektorat und Marketing bieten, was man aber auch ohne die restriktiven Bedingungen eines Verlagsvertrags als externe Dienstleistung in Anspruch nehmen kann.


Um einem potentiellen Missverständnis gleich mit vorzubeugen: wir sind nicht gegen die finanzielle Kompensierung resultierend aus der Bibelherstellung und -verbreitung, sondern dagegen, dass digitale Freiheiten nicht gewährt werden. Es ist völlig legitim, für die Übersetzungstätigkeit und andere Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Erarbeitung des Bibeltextes Geld zu verlangen. Es ist völlig legitim, für die initiale Veröffentlichung des Bibeltextes Geld zu verlangen. Es ist nicht legitim, irgend jemandem, der den Bibeltext erhalten hat, digitale Freiheiten vorzuenthalten – ganz gleich, ob ihm der Text gegen Entgelt oder unentgeltlich überlassen wurde und ganz gleich, ob dieser seinerseits wiederum Anderen den Text entgeltlich oder unentgeltlich überlässt. Es ist völlig legitim, gedruckte Exemplare oder digitale Versionen des Bibeltextes kommerziell zu vertreiben, es ist nicht legitim, Andere an der kommerziellen oder kostenlosen Verbreitung des Textes, gedruckt oder digital, zu hindern. In der Praxis wird dies dazu führen, dass man für die Herstellung von Werken bezahlt, zunächst für den an sich immateriellen und dann auch digitalen Text vor der ersten Veröffentlichung, und weiterhin für die Herstellung von physischen, gedruckten Exemplaren, aber nicht für die digitale Zugänglichmachung. Digitale Zugänglichmachung ist mittlerweile nämlich für jedermann ohne die geringsten Kosten technisch problemlos möglich, und dafür Geld zu verlangen, ist ein äußerst fragwürdiges Geschäftsmodell, denn ein Anbieter dieser Art hat nämlich überhaupt erst künstlich dafür gesorgt, dass ein Werk technisch schwieriger zugänglich ist und/oder rechtlich nicht genutzt werden darf, selbst wenn es technisch möglich wäre. Insofern bezahlt und belohnt man einen solchen Anbieter letztendlich für den Akt der künstlichen Verknappung. Wieviel wann von wem kopiert und verbreitet wird mit unseren längst alltäglichen digitalen Kopiermaschinen allüberall, steht in keinerlei Verbindung mit dem Aufwand, der für die initiale Erstellung des Textes getrieben werden musste. Von daher ist die fortwährende Vergütung von Arbeit, die in der Vergangenheit längst geleistet wurde, von ihrer Kompensierung gänzlich entkoppelt. Wenn ein Verlag mit überholtem Geschäftsmodell viele Exemplare verkauft, wird er ungerechterweise mehrfach für die dieselbe, einfach geleistete Arbeit kompensiert, für welche alle Käufer jeweils individuell bezahlen müssen, was natürlich dementsprechend auch das Hauptziel der Verlage ist und zu restriktivster Einschränkung der Nutzungsrechte führt. Wenn ein Verlag mit überholtem Geschäftsmodell wenig Exemplare verkauft, kann er die getätigte Investition in Form des Autorenhonorars nicht wieder hereinholen und überdies geht die ohnehin geleistete Arbeit überall dort verloren, wo Leute aufgrund eines hohen Preises diesen nicht zu zahlen bereit sind. Ein neuartiges, modernes Geschäftsmodell sieht vor, in erster Linie für tatsächlich geleistete Arbeit und tatsächlich entstandene Kosten Geld zu verlangen. Das Kopieren einer Datei verursacht keine Kosten und sollte daher auch nicht mehr länger kompensiert werden müssen durch rechtliche Zwänge (wo die Lobbyarbeit der Rechteverwerter zu einer Pervertierung des Urheberrechts geführt haben) oder durch technische Erpressung (eigentlich irrelevant, da es keinen technisch wirksamen Schutz gibt, der nicht auch wieder aufgehoben werden könnte).


Falls dieser Post oder auch der gesamte Thread zu lang ist, um stationär vor dem Rechner-Bildschirm gelesen zu werden – wäre es eine Hilfe, ihn als EPUB2 zum mobilen Offline-Lesen auf E-Book-Lesegeräten bereitzustellen?

Re: Diskussion auf sword-devel zu „Free Scriptures“

Beitrag von skreutzer » 2014-03-01T14:37:14+00:00

Was soll der Streisand-Effekt damit zu tun haben? Welche Information unliebsam für wen, und vor allem: wie soll da der Streisand-Effekt eine Rolle spielen, wenn es die Information erst seit gestern Nacht gibt? Da besteht ja kein großes Potential, dass diese Kopie jetzt groß bekannt geworden wäre seitdem. Weißt du, wer die Dateien hostet? Ist das evtl. dein eigenes Google-Drive?

Re: Diskussion auf sword-devel zu „Free Scriptures“

Beitrag von woschultz » 2014-03-01T14:32:42+00:00

Als Streisand-Effekt wird ein Phänomen bezeichnet, wonach der Versuch, eine unliebsame Information zu unterdrücken oder entfernen zu lassen, öffentliche Aufmerksamkeit nach sich zieht und dadurch das Gegenteil erreicht wird, nämlich dass die Information einem noch größeren Personenkreis bekannt wird.


https://de.wikipedia.org/wiki/Streisand-Effekt



Gruß
Wolfgang

PS: Ich habe deinen gigantischen Text weiter oben gelesen ich werde darüber nachdenken :-)

Re: Diskussion auf sword-devel zu „Free Scriptures“

Beitrag von skreutzer » 2014-03-01T14:06:15+00:00

Und wer hostet denn jetzt neuerdings die Zefania-Module auf Google-Drive? Alles dort wurde gestern Nacht hochgeladen...

Re: Diskussion auf sword-devel zu „Free Scriptures“

Beitrag von skreutzer » 2014-03-01T09:49:50+00:00

Hallo Wolfgang,

an sich ist das eigentlich ziemlich Schade, da immerhin einige Module wahrscheinlich durchaus freie Texte gewesen sein dürften. Idealerweise hätte das Modul-Repository einfach mit uns und anderen Leuten kooperieren können, um den rechtlichen Status und die Authentizität der Texte zu prüfen und auf diese Weise mit der Zeit eine wirklich garantiert freie Quelle für Bibeltexte zu etablieren. Sofern aber außer dem nun eingestellten Zefania-Modul-Repository keine Alternative zu finden ist, die wenigstens das Potential dazu hätte, müssen wir wohl versuchen, im Rahmen von „Free Scriptures“ etwas derartiges zu organisieren, denn der Bedarf dafür ist zweifellos unvermindert da.


Das Problem bei den „uralten Schinken“ ist, dass diese manchmal neu aufgelegt und nachgedruckt werden. Der reine, textuell unveränderte Nachdruck und die reine, textuell unveränderte Neuauflage legitimieren keinen neuen urheberrechtlichen Schutz des Textes (auch wenn das manche Herausgeber solcher Ausgaben noch so sehr behaupten möchten), aber dafür muss auch erstmal festgestellt werden, dass eine Neuauflage tatsächlich unverändert ist und keine neueren, eigenen Änderungen des Aufbereiters enthält, welche einen neuen urheberrechtlichen Schutz begründen könnten (Nachdrucke sind 1:1 identisch, da kann man das allein schon durch optischen Vergleich feststellen). Genau aus diesem Grund sammeln wir im Rahmen des Projekts „Freie Bibel“ die originalen Drucke, um anhand dieser den originalen, gemeinfreien Text initial überhaupt erst herzustellen oder die Übereinstimmung durch unabhängige, transparente und dokumentierte Prüfung garantieren zu können. Und wenn dies schon für gedruckte Neuauflagen gilt, dann umso mehr für digitale Texte, die viel leichter jederzeit von jedermann geändert werden können.


Es mag sein, dass bei den alten, an sich gemeinfreien Übersetzungen keine oder kaum Fälle vorgekommen sind, bei welchen Verstöße gegen das Urheberrecht behauptet und rechtsgültig geahndet worden sind. Fakt ist aber auch, dass so gut wie alle Neuauflagen alter Texte explizit behaupten und mir noch nie ein Nachdruck oder eine Neuauflage begegnet ist, in welcher ausdrücklich steht, dass der Text gemeinfrei ist und womöglich auch die rein mechanische Aufbereitung keinen neuen Rechtsanspruch begründet. Jetzt ist es in der Praxis so, dass es wohl meistens zu einer außergerichtlichen Einigung (meistens Unterlassungserklärung) kommen dürfte, denn die wenigsten Webseitenbetreiber o.ä. können es sich leisten, gegen die Rechtsabteilung eines Verlages anzugehen. Dementsprechend sind tatsächliche Urteile erstens nicht besonders häufig, und zweitens gelangen auch außergerichtliche Einigungen nicht unbedingt ans Licht der Öffentlichkeit. Wir sollten allerdings im Rahmen der Projekte „Freie Bibel“ und „Free Scriptures“ (d.h. auch international) alle Vorfälle dokumentieren, welche gegenwärtig nur verstreut und gelegentlich mal öffentlich bekannt werden. Unserem Projekt kommt in diesem Zusammenhang aber auch eine sehr wichtige Aufgabe zu: indem wir den originalen gemeinfreien Text mit einer Neuauflage vergleichen und transparent „Beweise“ für die Übereinstimmung liefern, kann für Neuauflagen sicher ausgesagt werden, dass diese entweder den Text verändert haben oder alternativ keinen urheberrechtlichen Schutz genießen. Diese empirisch gesammelten Informationen helfen, den Status der Gemeinfreiheit effektiv gegen die Behauptungen der Herausgeber von Neuauflagen zu verteidigen, sodass jedermann keine Beschuldigung hinsichtlich einer Urheberrechtsverletzung mehr zu fürchten braucht und verlässlich in den Genuss der Gemeinfreiheit kommt. Insofern könnte man auch an moderne, „digitale Masoreten“ denken, welche die Sammlung, den Abgleich, die Dokumentierung und die Überlieferung des Bibeltextes in unserer heutigen Zeit betreiben. Freilich ist das ein aufwändiges Unterfangen, da heute viel mehr Texte (auch Übersetzungen) vorliegen als in früheren Tagen, jedoch haben wir auch allerlei geeignete Werkzeuge, welche diese Aufgabe enorm erleichtern.


Einzelne Wörter sind urheberrechtlich komplett irrelevant, aber sobald diese gehäuft in bestimmter Art und Weise eingesetzt werden, können Wortkombinationen (= Texte) urheberrechtlichen Schutz begründen. Wörter sind eher beim Markenrecht relevant, aber das wird in unserem Fall wohl weniger zutreffen. Die Überprüfung einzelner Wörter ist also nicht rechtlich von Belang, dafür aber für die Korrektheit des Textes. Wenn ich korrekturlese, vergleiche ich zwar nicht einzelne Buchstaben, aber immerhin einzelne Wortsilben, und ich halte das nicht für schwachsinnig, sondern für notwendig. Die Überprüfung nach einem Download macht aber tatsächlich keinen Sinn, da man heutzutage Werkzeuge hat (diff-Tools), die den automatischen textuellen Vergleich von zwei Dateien ermöglichen, sodass man im Grunde verschiedene voneinander abweichende Versionen mit Leichtigkeit identifizieren kann und sich dabei an die Quellen seines Vertrauens oder auf eigene Dateibestände hält. Ferner kann man eine Hash-Summe (Checksumme) für die Dateien berechnen lassen, sodass selbst die kleinste Änderung sofort festgestellt werden kann, wenn die lokale Berechnung einer heruntergeladenen Datei zu einem anderen Ergebnis führt.


Bezüglich Diskussionsplattformen: da wir ja eine anbieten und sogar unregistrierten Besuchern Schreibrechte gewähren, besteht natürlich jederzeit die Möglichkeit, dass sich auch Leute zu Wort melden, die ganz andere Standpunkte vertreten, womöglich gar im Widerspruch zu unseren Projektzielen. Nun, ich schätze mal, dass wir das in Kauf nehmen, sofern Aussagen nicht grob und offensichtlich falsch sind oder sie zu fragwürdiger oder kontraproduktiver Praxis aufrufen. Abseits dessen wollen wir aber eigentlich schon den Austausch fördern, und zwar, indem kontroverse Themen offen diskutiert werden, damit sich die potentiell beste Lösung herauskristallisieren kann oder alternativ deutlich wird, wer welche Ziele verfolgt und ob diese kompatibel sind. Außerdem kann man sich selbst ja auch im Irrtum befinden, und über die Zeit kann sich durchaus auch mal die eigene Einschätzung ändern. Oftmals werden die Diskussionen ohnehin geführt, und zwar privat, weswegen man mit einem Forum gleich die breite Öffentlichkeit mitbeteiligen kann an den eigenen Überlegungen.


Bezüglich „Urheberrechtsfetischisten“ (was auch immer das sein soll): jeder, der Grund zu der Annahme hat, dass eine Urheberrechtsverletzung vorliegt und diese meldet, bietet eine Möglichkeit, einer tatsächlichen Klage zu entgehen. Dabei können entweder von der einen Partei die Bedenken zerstreut werden, indem die urheberrechtliche Unbedenklichkeit aufgezeigt wird, oder aber die andere Partei erhärtet den Verdacht, indem Hinweise auf eine bestehende, nicht abgelaufene Schutzfrist aufgeführt werden. Freilich kann man solche Meldungen ignorieren, was aber keine so gute Idee ist, denn Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, und nach der Meldung ist man in jedem Fall bereits informiert worden, was vor Gericht dann als wissentliche Urheberrechtsverletzung ausgelegt werden könnte. Auch hilft es wenig, einfach keine Möglichkeit zur Meldung eines solchen Verdachts vorzusehen, denn ein Richter wird wohl zu bewerten wissen, ob man sich allgemein Mühe gegeben hat, die verschiedenen Rechtsansprüche zu beachten, oder ob man deren Verletzung absichtlich oder stillschweigend in Kauf genommen hat. Dies hat auch deshalb noch eine verstärkte Brisanz, da neben unbeteiligten Privatpersonen, welche nicht selbst Urheber des Werkes sind, auch der wirkliche Rechteeigentümer oder -Verwerter von sich aus auf den Verstoß aufmerksam werden könnte, oder aber von anderen Leuten, welche sich über den urheberrechtlichen Status des Werkes auf der Webseite des Distributors erkundigen möchten, selbigen auf den potentiellen Verstoß absichtlich oder unabsichtlich hinweisen.


Auch wenn bisher beim Zefania-Modul-Repository keine Beschwerden von Urhebern eingegangen sind, heißt das nicht, dass sie nicht in der Zukunft eingehen könnten. Unser Anliegen ist dabei, allein schon die Möglichkeit dazu zu eliminieren, indem wir uns auf garantiert gemeinfreie und frei lizenzierte Bibeltexte beschränken. Wir können es uns nicht leisten, unsere Benutzer diesem Risiko auszusetzen, nur weil wir uns nicht groß um den urheberrechtlichen Status scheren, sodass bei einem Urheber oder Rechteverwerter, der es darauf anlegt, sowohl wir als auch alle unsere Nutzer die rechtlichen Konsequenzen zu tragen hätten.


Dass sich kein Urheber oder Rechteverwerter gemeldet hat, hat damit zu tun, dass zumindest manche Übersetzer und Verlage sich davor hüten, jemanden wegen der Verbreitung des Bibeltextes abzumahnen/anzuklagen, und sei es auch nur, weil dies die Akzeptanz des Produkts und damit die Anzahl der Verkäufe negativ beeinflussen würde. Dies trifft aber nicht auf jeden Übersetzer und Verlag zu, zum Teil gibt es hier relativ aggressiv agierende Rechteverwerter. Zusätzlich hat es das Zefania-Modul-Repository Urhebern und Rechteverwertern ja nicht gerade einfach gemacht, mit den verantwortlichen Betreibern in Kontakt zu treten. Eine Hürde ist dabei die SourceForge-Webseite, eine andere die möglicherweise notwendige internationale Abwicklung (über das internationale Urheberrecht statt über ein nationales), eine dritte die Erschwernis, die postalische Anschrift der verantwortlichen Person(en) herauszufinden. Wir werden mit den „Free Scriptures Language Teams“ dafür sorgen, dass eine Abwicklung über nationales Urheberrecht erfolgen kann, indem selbige Language Teams für die Rechtmäßigkeit der erarbeiteten und bereitgestellten Texte selbst verantwortlich und auch haftbar sind, so wie wir das z.B. gegenwärtig für die deutschsprachigen Übersetzungen sind.


Dass es durch das Zefania-Modul-Repository keine Rechtsverletzungen gab, halte ich nicht für sehr wahrscheinlich, denn wie sich jetzt erst gezeigt hat, bestand die ganze Argumentation darauf, dass noch keine Rechtsverletzung zu rechtlichen Konsequenzen geführt hat, anstatt die urheberrechtliche Unbedenklichkeit konkret zu belegen. Solange also nicht die rechtliche Unbedenklichkeit gründlich aufgezeigt wird, muss eigentlich von der rechtlichen Bedenklichkeit ausgegangen werden. Mindestens jedoch hätte, wenn manche Texte mit Genehmigung (jedoch trotzdem unfrei) verbreitet worden wären, eine eben solche Genehmigung angeführt werden können, und diese Behauptung hätte man ggf. beim Urheber oder Rechteverwerter gegenprüfen können. Allerdings wurde stattdessen für einen Fall behauptet, dass andere Webseiten die Genehmigung wohl hätten, und daraus unzulässigerweise das Recht abgeleitet, dass man dann ebenfalls den Text weiterverbreiten dürfe, was so aber keinesfalls gegeben ist. Wobei ich es immer für schwierig halte, sich mit den rechtlichen Verhältnissen anderer Länder zu beschäftigen, aber wenigstens hätten wir für die deutschen Übersetzungen (siehe Liste oben) eine Überprüfung durchführen können, was wir ohnehin hätten tun müssen, wenn wir Texte aus dem Zefania-Modul-Repository für „Freie Bibel“ hätten nutzen wollen.


Die DMCA-Takedown-Seite behauptet groben Unfug, denn man kann digitale Güter oder sog. „geistiges Eigentum“ nicht stehlen - wenn jemand eine Kopie anfertigt, geht das Original dem ursprünglichen Besitzer nicht verloren. Reine Propaganda der Rechteverwerter-Lobby.


Die CrossWire Bible Society ist durchaus wohl nicht Urheber einiger durch sie angebotenen Texte, sondern verbreitet diese per Genehmigung. Jetzt basieren deren Anschuldigungen vermutlich in erster Linie darauf, dass sie sich nicht vorstellen können, dass das Zefania-Modul-Repository ebenfalls eine Genehmigung vom eigentlichen Urheber erhalten hat (was auch seitens des Zefania-Modul-Repositorys nicht gerade nahegelegt wurde). Gleichzeitig ist aber davon auszugehen, dass die CrossWire Bible Society in Kontakt mit den Urhebern oder Rechteverwertern steht, welche die Genehmigung an CrossWire erteilt haben. Von daher kann CrossWire zwar nicht selbst einen Rechteverstoß geltend machen, aber möglicherweise den eigentlichen Urheber dazu veranlassen, sofern dieser erreichbar und willens dazu ist.


Vielleicht noch eine kleine allgemeine Ergänzung: wir wollen darauf hinwirken, dass idealerweise ausschließlich gemeinfreie und frei lizenzierte Bibeltexte verwendet und die unfreien, genehmigungsabhängigen Angebote ignoriert und abgelehnt werden, da eine solche Veröffentlichungspolitik zur Unterstützung von längst hinfälligen Geschäftsmodellen Individuen und Organisationen effektiv daran hindert, den Bibeltext zum größtmöglichen Nutzen zu gebrauchen, was nicht allein ethisch verwerflich ist, sondern auch gegen die Aussagen der Bibel selbst verstößt.


Noch eine weitere, kleine Anmerkung: Ich hoffe, dass Tom Baccei sich jetzt nicht irgendwie persönlich angegriffen fühlt, denn sehr gerne würden wir natürlich weiter an freien Bibeltexten und deren Bereitstellung arbeiten. Ganz generell gibt es unvermindert weiterhin viel auf diesem Gebiet zu tun, eben genau die Überprüfung, Korrektur und Verbreitung bestehender digitaler Bibeltexte, aber auch die Definition des Zefania-2014-Schemas sowie die Entwicklung von Software, welche diesen Standard verwendet. Ich habe noch nicht nachgeschaut, ob man auf SourceForge anderen Benutzern Nachrichten schreiben kann, aber vielleicht stehst du ohnehin mit ihm in Kontakt.



Grüße,
Stephan

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